Der Dunkle Turm

Klar, Buchverfilmungen sind meistens schlecht. Wie man eine literarische Vorlage aber wirklich komplett verkacken kann, das zeigt eindrucksvoll die Verfilmung der Saga um den dunklen Turm durch Nikolaj Arcel.
Was man hier auf der Leinwand zu sehen bekommt, ist eine absolute Frechheit. Nicht nur Fans der Reihe, auch normale Kinogänger sollten ihr Geld lieber für eine romantische Komödie(!) ausgeben.

Die Drehbuchautoren gehören…naja, das kann man natürlich öffentlich nicht sagen, oder Herr Gauland? – …jedenfalls sollte niemand mehr irgendetwas von diesem Team lesen, geschweige denn verfilmen.

Aber erst einmal kurz zum Buch: Roland Deschain ist ein Revolvermann, er verfolgt den Mann in Schwarz und ist auf dem Weg zum dunklen Turm. Im dunklen Turm sitzt der Scharlachrote König und schaut langsam dabei zu, wie die Welt zugrunde geht. Roland will den Mann in Schwarz fangen und den König aus dem Turm vertreiben – ergo töten – um der Welt Frieden zu schenken.
Während seiner Jagd versammelt er eine Gruppe von Menschen um sich, die er durch Portale von der Erde in seine Welt holt. Von dieser Gruppe hat es nur der junge Jake in den Film geschafft hat. Auf den mehreren tausend Seiten der sieben Bücher entspannt sich eine epische Geschichte voller fantastischer Ideen und Momente.

Und im Film? Grob gesagt hat die Leinwandfassung mit dem Original so viel zu tun wie ein Plastikrevolver mit einer echten Smith&Wesson.

Walter, der Mann in Schwarz, ist ein böser Magier, der auf der Erde Kinder entführt, die das “Shining”, eine Art telepathische Fähigkeit haben. Mithilfe dieser Kraft will er den dunklen Turm zum Einsturz bringen.

Roland dagegen ist ein Revolvermann, der den Mann in Schwarz töten will. Vornehmlich aus Rache, da der Magier einst Rolands Vater tötete. Später wird klar, dass dieser Mord schon einige Zeit zurücklegt, filmisch wird dies jedoch zu Beginn des Streifens in keinster Weise deutlich gemacht. (Ein erster handwerklicher Fehler.)

Doch erst einmal geht es ausschlißelich um die vermeintlichen psychischen Probleme des Jungen Jake. Dieser muss sich mit einem Stiefvater und wiederkehrenden Alpträumen über den Mann in Schwarz, den Revolvermann und Menschen mit aufgenähter Haut herumschlagen. Ein noch langweiligerer Einstieg ist den Drehbuchautoren wohl nicht eingefallen.

Während der Mann in Schwarz weiterhin Kinder auf ein Plateau entführt (einen Ort, der im Buch in keinster Weise existiert), findet Jake ein Portal und gelangt so zu Roland. Aus Roland´s Welt geht es dann wieder auf die Erde zum finalen Kampf mit dem Mann in Schwarz. Ja, und das war es dann auch schon an Handlung. So einfach, so belanglos.

Der scharlachrote König kommt nur in Form eines Graffittis und als kurze dämonische Manifestation vor – wird jedoch schlicht als magisches Wesen bezeichnet.

Der Turm ist im Buch das Ziel der Sehnsüchte des Revolvermannes, der hier den Scharlachroten König herausfordern und töten will. Im Film ist es dann der Turm, der das Universum zusammenhält, und den der böse Magier Walter aus purer Zerstörungslust kaputt machen möchte. Warum diese Umdichtung? Ich weiß es wirklich nicht.

Ich stelle mir vor allem folgende Fragen: Haben die Schauspieler die Bücher gelesen? Und wenn nicht, was fanden sie an dem Skript gut? Welche Produzenten sahen in dem verhunzten Drehbuch Potenzial für einen guten Film? Und warum wirbt Stephen King auf Twitter für diesen Edel-Schrott?

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