Ein ordentlicher Ritt – Irvine Welsh

Zurück in Schottland, nur ohne Heroin: Irvine Welsh´s neuer Roman spielt mal wieder in Edinburgh, doch dieses Mal kommen wir raus aus Leith. Terry “Juice” Lawson, bekannt aus “Porno”, fickt sich gemütlich durchs Leben. Und ja, das ist absolut wörtlich zu nehmen. Auf den ersten einhundert Seiten macht er eigentlich nichts anderes außer Vögeln und Taxi fahren. Mehrmals am Tag, mit unterschiedlichen “Gästen”. Zwischendurch spielt er Drogenkurier und passt auf den Sauna-Club, ergo Puff, eines Bekannten auf. Wo er übrigens ausnahmsweise nicht mit den leichten Damen schläft, denn Juice Terry zahlt nicht für Sex.

Das Rumgefahre und Rumgeficke ist auf Dauer natürlich ein wenig eintönig, genau wie Terry´s ständig gleiche Anmachsprüche. Damit seine Handlung vorankommt, lässt Welsh den Hurrikan “Drecksack” über die Stadt hinwegfegen, und wenn auch die Infrastruktur Edinburghs wenig Schaden davonträgt, so werden die Personen des Romans umso heftiger durcheinandergewirbelt.

Zweiter Protagonist des Romans ist Jonty, Terry´s unterbelichteter Halbbruder. Während Terry der ewige Lebemann ist, spielt Jonty eine tragische Figur, der mir aufgrund seiner Einfältigkeit häufig Leid getan hat. Obwohl er keiner Fliege etwas antun würde, wird Jonty von seinem Umfeld immer wieder in unangenehme bis kriminelle Situationen gedrängt. Nur die wachsende Freundschaft mit Terry ist ihm ein sicherer Anker.

Doch auch Terry hat mit Problemen zu kämpfen: Sein Vater macht ihm auf dem Sterbebett das Leben zur Hölle, seine Tochter will ins Porno-Geschäft einsteigen und die Ärzte diagnostizieren ihm ein schwaches Herz. Da jegliche Aufregung seinen Tod herbeiführen könnte, darf Juice Terry nicht mehr vögeln. Jemanden wie ihn stürzt das natürlich in eine tiefe Depression.

Der Roman ist, wie eigentlich alles von Welsh, unterhaltsam – im Gegensatz zu Trainspotting und Co. jedoch bis auf wenige Ausnahmen auf einem durchgängig leichtem Niveau. Es gibt zwar einige krasse Szenen, aber die Schwere und Tiefe von Skagboys wird geschickt umkurvt. “Ein ordentlicher Ritt” tänzelt wie “Porno” auf eine humoristisch-lockere Art umher. Inklusive Happy-End für alle Beteiligten.

Die tragende Figur Juice Terry ist ein auf den ersten Blick interessanter, auf den zweiten Fick allerdings stark eintönig-limitierter Charakter. Jonty ist, trotz seiner geistigen Schwergängigkeit, ambivalenter, da weniger vorhersehbar. Wir begegnen außerdem einem amerikanischen Millionär, der verrückt ist nach schottischem Whiskey; einem dreckigen, Frauen schlagenden Zuhälter; einer cleveren polnischen Nutte; und sadistischen Zwillingen – nicht siamesisch – denen bei unterschiedlichen Gelegenheiten das Gesicht verbrannt wird.

Alles in allem ein lustiger Roman, der viel Spaß macht. Und natürlich auch etwas kürzer hätte sein können. Aber das denke ich eigentlich bei allen Romanen von Welsh.

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