Hemingway – Thomas Fuchs

Ehrlich, kurz, amüsant und kenntnisreich: Genau so sollte eine Biographie sein! Thomas Fuchs hat mit “Hemingway – Ein Mann mit Stil” eine hervorragende Lebens- und Werkgeschichte des, naja, wie soll ich sagen?, abenteuerlichsten Schriftstellers des 20. Jahrhunderts geschrieben.

Klar, Fuchs ist ein Fan Hemingways -  das sollte man auch sein, wenn man sich anmaßt, die Geschichte eines realen Menschens aufzuschreiben. Aber er hat keine Apotheose verfasst, sondern sich ehrlich und zuweilen auch sehr kritisch mit einem literarischen Vorbild auseinandergesetzt. Ein großes Plus, dass sein Werk von anderen Biographien positiv abgrenzt.

Dazu verfügt Fuchs über einen hervorragenden Stil: Jede Seite macht Spaß, es kommt zu keiner Zeit Langeweile auf. Dabei liefert der Autor stets neue Einsichten zu jeder Lebens- und Schaffensphase. Zuweilen geht Fuchs mit Hemingway hart ins Gericht, wenn er die (subjektiv) schlechten Romane klar benennt. Größtenteils gehe ich da mit Fuchs konform, außer bei dessen Verachtung für “Haben und Nichthaben”. Meiner Meinung nach ein guter Roman Hemingways – anders als andere Werke, aber immer noch geprägt von der harten Hemingwayschen Intensität.

Fuchs ordnet die Schriften Hemingways dabei stets in den zeitlichen Kontext ein und erläutert die äußeren Umstände, die bei der Entstehung der Werke eine Rolle spielten.

Stark auch, wie Fuchs die Wesenszüge Hemingways nachzeichnet, ohne sich als psychologischen Gutachter aufzuspielen. Dass Hemingway oft selbstsüchtig handelte, um seine Ziele zu erreichen, war mir persönlich neu. Die Probleme mit der eigenen Familie, die unterschiedlichen Frauen, die Depression: Alles kommt unumwunden zur Sprache, jedoch urteilsfrei und stets belegt durch Tatsachen.

Eine starke Biographie, die Lust macht, Hemingway noch einmal – in chronologischer Reihenfolge – zu lesen.

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