James Bond: Spectre

Also, dieser One Shot zu Beginn des Filmes ist schlichtweg genial. Wir sind mitten in Mexico City am Tag der Toten und folgen Mr.Bond von der Straße in ein Hotel, vom Zimmer raus aufs Dach und werden schließlich Zeuge wie 007 einen ganzen Häuserblock in Schutt und Asche legt.

Und das alles ohne Schnitt. Wahnsinnig gut gemacht!

Tja, leider war es das dann auch schon mit meiner Begeisterung für Spectre. Im ersten Drittel plätschert der Plot vor sich hin. Bond erzürnt M und verliert seine Lizenz zum Töten (das hatten wir doch schon mal…) – darf aber seltsamerweise seine Waffe behalten. Gleichzeitig schmiedet die Politik an einem Geheimdienst-Bündnis, wodurch das Doppelnull-Agentenprogramm kurz vor der Auflösung steht. Als Zuschauer nimmt man diese “Bedrohung” für James Bond jedoch nie als solche wahr, wodurch auch kein “Oha, was wird jetzt passieren?”-Effekt entsteht.

Dann gewinnt die Story etwas an Fahrt. Insbesondere der erste Auftritt von Christoph Waltz sorgt für ordentlich Gänsehaut und mündet in einer krassen Verfolgungsjagd. 007 zerdeppert natürlich am Ende seinen Aston Martin, dieses Mal endet der Schlitten im Tiber.

Was dann folgt ist leider eher zahnlos, ohne Überraschungen und konnte mich nicht wirklich begeistern. Dass das “arrogante Arschloch” (Zitat M) zu Spectre gehört, dürfte jedem Kino-Noob ziemlich schnell klar sein. Bond findet dann über kleine Umwege den Unterschlupf von Christoph Waltz in der marrokanischen Wüste, wo er schon sehnsüchtig erwartet wird.

An dieser Stelle hatte ich wirklich noch Hoffnung, dass der Plot vielleicht ein paar kleine Überraschungen und Kniffe parat hat…tja, Fehlanzeige. Waltz, alias Blofeld, spielt den perfiden Bösewicht zwar in gewohnt unangenehm böser Manier, kann sich jedoch nie richtig entfalten. Was freilich nicht an seiner darstellerischen Leistung, sondern einzig an dem mauen Plot liegt. Anders als in Skyfall, wo Javier Bardem als Silva eine Hinterlist nach der anderen aus dem Hut zauberte, darf Waltz Bond nur ein bisschen foltern.

Und selbst das finde ich arg schwach von den Drehbuchautoren. Waltz einziges Motiv ist Eifersucht, da James früher der Liebling von Blofelds Vaters war. Dies hatten wir bereits in Skyfall bei Silva, der aus Eifersucht Rache an seiner Ziehmutter nimmt. Und anstatt die Konstellation der beiden Stief- bzw. Ziehbrüder mit komplexem Beziehungsstoff und vergangenen (Un-)Taten zu füllen, ist Blofeld einfach nur sauer auf Bond. – Aber reicht das wirklich als Begründung für die jahrelange Beeinflussung von Bonds Leben? Mir persönlich ist das echt zu dünn.

Zumal wir in Skyfall einen sehr persönlichen Bond erlebt haben. In Spectre hätte dies, unter Einbeziehung seines Stiefbruders, noch vertieft werden können bzw. werden müssen. Leider erfahren wir nichts über das zerrüttete Verhältnis von Blofeld und Bond, wie sie in der Vergangenheit zueinander standen und – wie bereits erwähnt – woher genau der abgrundtiefe Hass Blofelds rührt.

Fazit: Der Film ist ok, ich hatte allerdings viel mehr erwartet – aber vielleicht war die Hürde, den Vorgänger zu toppen, schlichtweg zu hoch.

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