Lesen 2016 & 2017

Ein chronologischer Streifzug durch die westliche Literatur des 20. Jahrhunderts.

Ich habe mir in diesem Jahr vorgenommen, Werke aus den einzelnen “Epochen” des 20. Jahrhunderts zu lesen. Ich arbeite dabei stets eine Epoche nach der anderen ab, um für mich selbst eine literarische Geschichte des 20. Jahrhunderts erlebbar zu machen. Dies ist die, sich sicherlich noch erweiternde, Leseliste für mein 2016. Eine Begründung für dieses außergewöhnliche Vorhaben steht für den Interessierten weiter unten.

1.Weltkrieg

Josef Wittlin – Das Salz der Erde
Michail Bulgakow – Die weiße Garde
William Boyd – Der Eiskremkrieg
Ludwig Renn - Krieg
Alfred Döblin – November 1918: Bürger & Soldaten, Verratenes Volk
Christian Kracht - Ich werde da sein, im Sonnenschein und im Schatten
Hans Herbert Grimm – Schlump
Joseph Roth – Die Kapuzinergruft & Tarabas
Edlef Köppen – Heeresbericht
Ernest Hemingway – A Farewell to Arms

Natürlich gehört “Im Westen nichts Neues” in diese Reihe. Da ich es bereits gelesen habe, werde ich es – da wo es sich anbietet – vergleichend zu Rate ziehen.

Die “goldenen” Zwanziger

Joseph Roth – Das Spinnennetz & Die Flucht ohne Ende
Siegfried Lenz – Es waren Habichte in der Luft
F. Scott Fitzgerald - Diesseits vom Paradies & Zärtlich ist die Nacht
Hans Fallada -Wolf unter Wölfen & Ein Mann will nach oben
Alfred Döblin - Berlin Alexanderplatz & Pardon wird nicht gegeben
Erich Maria Remarque – Drei Kameraden & Der schwarze Obelisk

Stefan Heym - Radek
Hermann Hesse – Klein und Wagner
Pittigrilli – Kokain
W. Somerset Maughan – Auf Messers Schneide
Vladimir Nabokov - Gelächter im Dunkel & König, Dame, Bube
Ernest Hemingway – Fiesta & Winner Take Nothing & A Moveable Feast
John Dos Passos – Orient-Express & Manhattan Transfer
John Steinbeck - Früchte des Zorns
Thomas Wolfe – Die Party bei den Jacks
Henry Miller – Stille Tage in Clichy
Jakob Wassermann – Der Fall Maurizius
Jean-Paul Sartre - Zeit der Reife
Michael BulgakowTeufeliaden
Louis-Ferdinand Celine - Reise ans Ende der Nacht

Exil & Flucht

Klaus Mann – Flucht in den Norden & Der Vulkan
Erich Maria Remarque – Liebe deinen Nächsten
Lion Feuchtwanger -Die Geschwister Oppermann
Anna Seghers – Das siebte Kreuz

Zweiter Weltkrieg

Norman Mailer – Die Nackten und die Toten
Willam T. Vollmann – Europe Central
Jonathan Littel – Die Wohlgesinnten
Eric Maria Remarque – Arc de Triomphe & Zeit zu leben und Zeit zu sterben
Günter Grass – Hundejahre
Joseph Heller - Catch 22
Robert Merle - Der Tod ist mein Beruf
Wassili Grossman - Leben und Schicksal
Lothar-Günther Buchheim – Die Festung
Siegfried Lenz - Der Überläufer
Martin Amis - Interessengebiet
Edgar Hilsenrath - Nacht
Stefan Heym - Kreuzfahrer

Auch hier fehlt der deutsche Autor, der aufgrund seiner eigenen Erfahrungen am energischsten über und gegen den 2.Weltkrieg geschrieben hat: Heinrich Böll. “Wanderer, kommst du nach Spa”, “Wo warst du, Adam?” und “Der Zug war pünktlich” haben mich nachhaltig beeindruckt.

Warum chronologisch lesen?

In der Regel lesen wir kreuz und quer, und immer das Buch, was uns grade am meisten Lust und Vergnügen bereitet. Entweder steht da ein schon vor langer Zeit erworbenes Exemplar im Regal, dass man sich spontan rausgreift, weil man es doch endlich lesen möchte. Oder man bekommt eine Empfehlung, dieses oder jenes Werk “müsse man unbedingt lesen(!)”. Bei mir ist es meist so, dass mich aufgrund irgendeiner Stimulanz ein Thema plötzlich interessiert und ich unbedingt etwas dazu lesen möchte. Doch egal, warum wir lesen und was wir lesen: Meist entscheidet sich dies aus Willkür, ohne Sinn und ohne Plan.

In diesem Jahr möchte ich das für mich ändern. Ob dieses Experiment tatsächlich gelingt und ich die Disziplin habe mich daran zu halten? Das sei erstmal dahin gestellt.
Aber innerlich möchte ich aufräumen. Ich möchte die Dinge und vor allem die Geschichte und Geschichten in einem sinnvollen Zusammenhang erfassen.

Wenn ich, wie üblich, erst von Rushdie die jüngere Geschichte Indiens erzählt bekomme, anschließend mit Balzac einen Streifzug durch die Pariser Halbwelt des 19.Jahrhunderts mache und dernach mit Böll im kalten Odessa unter Panzer krieche, so ist dies stets eines: Wunderbare Lektüre, atemberaubendes Abenteuer und Flucht aus dem Alltag. Und doch steht jede Geschichte für sich alleine. Sie lassen sich aus dem Kontext nicht oder nur schwer verbinden – und das nicht aufgrund des völlig unterschiedlichen Stils, nein. Es fehlt hier immer ein sich logisch und chronologisch aneinanderfügendes Element. Literatur lässt sich in der Regel nur in ihrem entstehungsgeschichtlichen Kontext erfassen. Bevor jetzt Einwände kommen: Mir ist bewusst, dass Boyd und Vollmann erst Jahrzehnte nach den Ereignissen ihrer Romane, diese niedergeschrieben haben. Aber dies sind Ausnahmen. Der Großteil der hier aufgeführten Werke wurde von Autoren verfasst, welche die Zeit über die sie schreiben, hautnah miterlebt haben.

 

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